RTL, Gamer und Anonymous

by Christian Lau. Average Reading Time: about a minute.

Am 19. August brachte RTL-Explosiv einen Beitrag zur Gamescom 2011. Der Bericht viel reichlich überheblich aus, wie das bei einem derartigen Sender nun mal so ist, wenn er glaubt, über eine Randgruppe zu berichten. So wurden die zumeist männlichen Messebesucher spöttisch zu ihrem Styling oder auch zu ihrem Liebesleben befragt. Die Reaktion auf diesen Bericht erwischte den Sender jedoch kalt. Nicht nur dass sich viele Gamer per Mail beschwerten, auch auf den Facebook-Fanpages des Senders und des für diese Sendung mitverantwortlichen Redakteurs Tim Kickbusch ging und geht es ziemlich zur Sache. Durch eine Stellungnahme und einer Entschuldigung dieses Redakteurs, der Beitrag sei schliesslich eine Satire gewesen, schienen sich die Wogen zu glätten. Doch dann meldete sich das Hackerkollektiv Anonymous zu Wort und fordert auf sich bei der RTL-Redaktion und bei Programmbeschwerde.de zu beschweren. Darüber hinaus droht Anonymous mit nicht weiter ausgeführten Konsequenzen.

Es ist ja nun nicht das erste Mal, dass sich eine Fernsehsender auf eine „Randgruppe“ stürzt, um sich über sie lustig zu machen. Aber dieses Mal häufen sich Beschwerden. Warum?
RTL hat sich mit den Gamern eine Ziel gesucht, dass über eine enorme Medienkompetenz verfügt. Nicht nur dass sich der Inhalt des Beitrages rasend schnell über die einschlägigen Medien (Twitter, Facebook, Google+) verbreitete, auch die Aufforderung sich dazu zu äussern und weitere Maßnahmen anzugehen, wurden eben so schnell verbreitet. Die Zahl der Beschwerden bei Programmbeschwerde.de war so hoch (6.800 Beschwerden, Stand 25.08.2011, 9.00 Uhr), dass die Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) den RTL-Beitrag prüfen wird.

Der RTL-Beitrag war sehr kurzsichtig. Der Sender hat sich damit einen grossen Teil der Zielgruppe versaut und sägt an einem Bein des eigenen Geschäftsmodelles. Spiele sind mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen und keine infantile Nebenbeschäftigung mehr. Das hat auch dieser Sender erkannt und betreibt selbst ein Spieleportal – RTLspiele.de. Aber wenn man seine Zielgruppe so vor dem Kopf stösst, muss man sich nicht wundern, wenn die Zahlen am Jahresende nicht stimmen.

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